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Berbig-Fenster in guten Händen

Von Pfr. Jörg Häberli

Die drei sogenannten Berbig-Fenster gaben im letzten Jahr viel zu reden und zu schreiben. 1920 wurden sie als Chorfenster in unserer Kirche eingesetzt, aber bei einer grösseren Renovation 1971 wieder entfernt und durch ein Kreuz des Langnauer Künstlers Glöckler ersetzt.
Die Entfernung dieser Fenster erhitzten schon damals die Gemüter. Vielen Langnauerinnen und Langnauern waren sie ans Herz gewachsen. Sie sind mit ihnen gross geworden, sie prägten in der Kindheit während der Sonntagsschulstunden und dem Konfirmandenunterricht ihre biblische Vorstellungswelt. Dass sie jetzt an ihren Trauungen und Beerdigungen fehlten, wurde als schmerzlicher Verlust eines Stücks Heimat empfunden.

Die Fenster wurden eingelagert und schliefen zwei Jahrzehnte lang auf dem Dachboden der Kirche den Dornröschenschlaf. Aber im kollektiven Unterbewusstsein der Gemeinde entfalteten sie weiterhin ihre Wirkung, so dass einige Gemeindeglieder seither zweimal versuchten, sie wieder wach zu küssen.

An einer Kirchgemeindeversammlung 1996 entschied man sich aber gegen ihre Wiedereinsetzung und für ein neues Fensterprojekt. Zwei Jahre später wurden die drei aktuellen Fenster von Strebel/Vontobel installiert, die aber nicht nur Bewunderer fanden.

Noch einmal versuchten die Freunde der Berbig-Fenster im Zuge der letzten Renovation ihre Fenster wieder zu Ehren zu bringen. Eine von Marietta Hässig eingereichte Motion mit einer beachtlichen Unterschriftenzahl verlangte ihre Wiedereinsetzung. Aber wieder wurde das Begehren von der Kirchgemeindeversammlung abgelehnt.

Die Kirchenpflege stand nun vor der Frage, was mit diesen Fenstern, die doch ein Kulturgut darstellen, geschehen soll. Eine Vernichtung kam nicht in Frage und eine weitere Lagerung auf dem Dachboden der Kirche wurde nicht mehr in Betracht gezogen, um in absehbarer Zeit nicht weitere Liebhaber in Versuchung zu führen, sich zu ihrer Wachküssung erneut im Dornenhag zu verfangen.

Darum wurden sie nun dem „musée suisse du vitrail et des arts du verre“ in Romont geschenkt. Das Museum übernahm die Inventarisierung und die Aufbewahrung „im Sinne einer Dokumentation des glasmalerischen Schaffens in der Schweiz“, die Kirchgemeinde bezahlte die Transportkosten und erhielt das Recht, die Fenster wieder zu erwerben, falls … wer weiss, vielleicht ersteht in Zukunft nochmals ein Wagemutiger, der sich für sie durch den Dornenwald kämpfen will.

Vom Saulus zum Paulus

Erlauben Sie mir noch eine persönliche Bemerkung: Ich selbst konnte mir die Wiedereinsetzung der Berbig-Fenster auch nicht vorstellen, aber ich war auch alles andere als ein Fan der neuen Fenster. Jetzt bin ich aber nach der letzten Renovation vom Saulus zum Paulus geworden. Durch den Mittelgang, die neue Gestaltung und Farbgebung des Chores kommen sie auf ganz neue Art zur Geltung und ich freue mich jedes Mal an ihrer Leuchtkraft und tänzerischen Beschwingtheit. Für all die vielen Sticheleien und Seitenhiebe, die ich gegen sie geführt habe, streue ich Asche auf mein Haupt.
Eines hat mich die ganze Auseinandersetzung von Neuem gelehrt: De gustibus non est disputandum, über den Geschmack, die Ästhetik lässt sich letztlich nicht objektiv diskutieren aber herrlich streiten, was auch sehr schön ist.

 
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