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Jubiläumskonzert vom Gemischten Chor Langnau
Die etwas andere Art der Messe
Der Herbst hat begonnen. Und mit ihm der Konzertreigen im Rahmen der 300-Jahr-Feier. Den Auftakt, mit über 500 Zuhörerinnen und Zuhörern, machte der Gemischte Chor. Die Toggenburger Messe von Peter Roth wurde begeistert aufgenommen.
Die Messe als musikalische Gattung ist fest mit der Kirche verwurzelt. Sie war und ist Teil des liturgischen Hochamtes. Es brauchte Jahrhunderte, bis Komponisten sich von diesen Fesseln zu lösen begannen. Das hatte sicherlich auf der einen Seite damit zu tun, dass die Kirche nicht mehr alleinige Deutungshoheit beanspruchen konnte. Auf der anderen Seite reizte genau die Gattung der Messe zu Höchstleistungen. Die musikalische Lobpreisung des Herrn: Wer wollte sich daran nicht versuchen?
Immer üppiger wurden die Werke, allein, fast immer hielt man sich an die klassische Form mit ihren zwölf Sätzen. «Kyrie, eleison» ist die Überschrift zum zweiten Teil («Herr, erbarme dich»), «Gloria» zum dritten. Mit Ruhm wäre er korrekt übersetzt, näher beim Wortgedanken ist «Ehre», und geehrt werden soll Gott. Der abschliessende, zwölfte Teil gab der Gattung auch ihren Namen: «Ite, missa est». Das korrekte «Geht, nun ist Aussendung» findet sich heute in der angenehmeren Form «Gehet hin in Frieden».
Die archaische Natur
Da also eine Messe, kirchlich geprägt, in jahrhundertealter Tradition. Und dort das Toggenburg, Landschaft pur, archaisch. Mit Instrumenten, die bei der ersten Erwähnung vieles evozieren, Feste, Fröhlichkeit, Brauchtum – aber sich zuerst einmal schwer tun, den Bogen zum Sakralen zu schlagen. Geht man tiefer, weichen die ersten Assoziationen Erstaunen, darüber, dass es nicht mehr volkstümliche Messen gibt.
Beethoven mit seiner Missa solemnis, Bach mit seiner H-moll-Messe: brillant, ein Genuss, aber auch opulent, ein Fliegenfänger für die Sinne. Man fragt sich: Liegt das Göttliche nicht eher im Einfachen? Sprechen und schreiben wir nicht gerne von «Gottes unberührter Natur? Das Toggenburg, das Emmental, das Luzerner Hinterland: Sind es nicht jene Gegenden, wo man sich in glücklichen Momenten Gott noch ein bisschen näher fühlt?
Aus Zwinglis Heimat
Komponist Peter Roth lebt heute in Unterwasser; im nahen Wildhaus ist vor gut 500 Jahren Reformator Ulrich Zwingli geboren. Zuerst Lehrer, ist Roth seit bald 40 Jahren unermüdlich als Dirigent, Komponist, Musiker und Kursleiter tätig. Die Toggenburger Messe «Juchzed und singed» hat er 1991 für den von ihm geleiteten Kirchenchor Alt St. Johann geschrieben – und in den zwanzig Jahren seither ist sie zu einem seiner populärsten Werke geworden.
Lange schon stand sie auf der «Wunschliste» des Gemischten Chors, verschiedene Faktoren verhinderten das Einüben. Vielleicht musste diese Wartezeit ja sein: So kam sie im Jubiläumsjahr unserer Dorfkirche zur Aufführung. Über 500 Personen drängten sich an den zwei Aufführungen am ersten Oktober-Wochenende in die Kirche.
Den Auftakt machten, wie meist, die vier Schöpfungspsalmen «Din Atem treit min Gsang». Vier Instrumentalstücke leiteten zur Toggenburger Messe über. Schnell wurde einem bewusst, mit welcher Freude die Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chors agierten. Inhalte können sich von der Musik lösen, technisch brillant, aber eben ohne inneres Feuer sein. Hier nicht: Das «Kyrie», das «Agnus Dei»: Man sang, natürlich, für das Publikum – aber gleichzeitig erfüllten die Worte die Kirche, stiegen empor: Dir, mein Gott, sei Ehr und Dank.
Zum Erfolg der Aufführungen unter Dirigent Christian Alpiger brauchte es nicht nur den Gemischten Chor. Mitwirkend waren die Appenzeller Frauestriichmusig (Brigitte Meier, Hackbrett; Ruth Fanderl, Cello; Elisabeth Hasler, Kontrabass); Verena Signer und Gabi Böckli, Violine; Geri Züger und Rolf Wagner, Klarinette, sowie als Sopran Monica Mutter.
Im Radio und in der Kirche
Am 22. Oktober, einem Samstag, wurde Peter Roth der Goldene Violinschlüssel übergeben. Diese Auszeichnung wird auch als «Oskar der Volksmusik» bezeichnet. Für diese feierliche Übergabe konnte Roth selber ein Konzertprogramm zusammenstellen. Mit dabei sind unter anderem «sein» evangelischer Kirchenchor Alt St. Johann, der Jodelclub Säntisgruess Unterwasser und das Trio Anderscht.
Werner Zuber
Eine volkstümliche Messe – mit der Kirche aber im richtigen Rahmen.
Zweimal lud Dirigent Christian Alpiger das Publikum zum Mitsingen ein.
Vorne die Apezeller Frauestriichmusig, im Hintergrund Sopranistin Monica Mutter.
Dichtgedrängt beim Apéro nach dem Konzert.
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am Donnerstag, 24. Mai 2012 im Kirchgemeindehaus.
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